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Weltbild - Illusion mit Echtheitszertifikat
Virtuelle Realität stellt heutzutage eine allgemein akzeptierte Form der Wahrnehmung dar. In Spielfilmen tauchen Charaktere auf, die real nicht mal ansatzweise gesellschaftsfähig wären, in Computerspielen hopsen wir, ausgestattet mit übernatürlichen Fähigkeiten durch Welten bar jeglicher Physik und in Chatrooms reden wir über Dinge von denen wir nichts verstehen. So wie sich die Welt uns präsentiert, nehmen wir sie hin - als Tatsache.
Es stellt sich die Frage, wo uns unser Wahrnehmungsvermögen eines Tages hinführen wird, was treibt den Menschen dazu, virtuelle Welten zu erschaffen? Der Wunsch in eine "bessere" Welt einzutauchen, um vielleicht sogar in dieser Welt leben zu können? Wenn man in einer solchen virtuellen Welt leben wollte müsste sie allerdings die perfekte Illusion darstellen, ohne visuelle Mängel, Grafikfehler und Systemabstürze. Organische Lebewesen hätten darin genau die selben Empfindungen, "freien Gedanken" und Handlungsmöglichkeiten wie in einer realen Welt. Es gäbe also nichts, das darauf hinweisen könnte, das wir in einer Illusion gefangen sind. Man befände sich quasi in einer scheinbar "echten" Welt so lang man nicht die Information besitzt, dass eben diese Welt unecht ist.
Einen Schritt weiter, in der Zukunft, in einer Zeit, wo die Entwicklung soweit fortgeschritten ist, dass sie dem Menschen die technischen Möglichkeiten bietet, diese Welt zu konstruieren und begehbar zu machen. Wie würde diese Welt aussehen wenn wir sie selbst formen könnten? Schön? Vollkommen? Einfach paradiesisch? Aber wie sieht das Paradies eigentlich aus? Wir wissen nicht wirklich was eine perfekte Welt ausmacht. Oberflächlich betrachtet würden wir uns vermutlich das ausschließlich Gute wünschen (den Überfluss von allem Positiven - Hedonismus) ein Ideal der Wahrnehmung. Dummerweise ist unsere Wahrnehmung aber immer auf Gegensätze angewiesen, die sich zu einer Harmonie ergänzen. Das Gute kann nur durch die Anwesenheit des Schlechten existieren. Es kann demnach keine Welt geben in der nur Gutes existent ist. Das heißt, unsere jetzige Welt könnte durchaus eine Art Vollkommenheit darstellen, eine Welt in der ein logisches Gleichgewicht zwischen guter und schlechter Empfindung herrscht. Eine perfekte Illusion, entworfen von Architekten in einer Zukunft, die für uns vielleicht schon lange Vergangenheit ist. Woher nehmen wir die Gewissheit, dass unsere Umwelt nicht nur eine virtuelle Realität ist und wir selbst nur das Produkt von etwas anderem sind?
Wir brauchen diese Gewissheit nicht. Selbst wenn es so wäre, unsere Welt ist in Ordnung so lang wir an sie glauben können.

[chs140105]